Die Rosenernte

Die blühenden Rosenfelder inmitten der schroffen Berglandschaft des Jebel Akhdar sind ein ganz besonderes Highlight der Oman-Reise. Im März und April duften auf dem “Grünen Berg” Millionen von Heidenröschen in saftigem Pink und verwandeln die Region in ein Paradies für alle Sinne.

Neben dem Weihrauch ist das Rosenwasser, welches hier oben noch in traditionellem Stile gebraut wird, einer der Exportschlager Omans und wird u.a. zur Herstellung des weltberühmten Amouage-Parfüms genutzt. Besonders gut kann man die Rosenpracht bestaunen, wenn man sich auf eine kleine Wanderung begibt. Hierfür gibt es mehrere Startpunkte: Die große Wanderung beginnt in dem kleinen Bergdörfchen Al Aqur, durchquert im weiteren Verlauf die Ortschaft Al Ain und endet schließlich in dem kleinen Örtchen Al Shiraijah. Wer die Wanderung etwas verkürzen möchte, kann sein Auto auch direkt in Al Ain parken und halbiert den Wanderweg so. Der Startpunkt der Wanderung und auch der gesamte weitere Verlauf werden typischer Weise auch hier von den rot/weiß/gelben Fähnchen gekennzeichnet. In Al Ain lässt sich am frühen Morgen die Ernte der Rosen besonders schön beobachten. Früher Morgen heißt hier tatsächlich früher Morgen. Wenn im Laufe des vormittags die geführten Wanderungen der umliegenden Hotels erst beginnen, ist das Meiste schon passiert. Am Besten findet man sich kurz nach Sonnenaufgang in Al Ain ein. Wenn der Tau noch auf den Rosenblättern liegt, beginnen die fleißigen Helfer mit der Ernte. Der Duft ist betörend und man bekommt einen authentischen Einblick in dieses traditionelle Handwerk. Wandert man von Al Ain anschließend durch die Terrassenfelder weiter bis nach Al Shiraijah kann man mit etwas Glück bei einer Rosenwasser-Destillation zusehen. Das fertig gebraute Rosenwasser kann man direkt vor Ort erwerben.

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Leider musste ich in den letzten Jahren feststellen, dass die Zahl der Rosenfelder zurückgeht. Das deckt sich auch mit den Aussagen eines alten Omanis, mit dem ich bei einer meiner Wanderungen ins Gespräch kam. Er berichtete damals schon davon, dass die Rosenernte ein aussterbendes Handwerk ist. Die jungen Omanis zieht es in die Stadt. Sie wollen studieren, sich einen gewissen Wohlstand erarbeiten  und immer seltener in den abgelegenen Bergdörfern leben. Auch hier hält der Wunsch nach einem modernen Leben unaufhörlich Einzug. Die Rosenernte wird deshalb immer häufiger von Gastarbeitern übernommen.